Geschichte einer faszinierenden Villa

Seit mehr als 100 Jahren ist eine Villa mit beeindruckender Parkanlage ein markanter Bestandteil des Ortsbildes von St. Anton am Arlberg. Regional und überregional bedeutende Persönlichkeiten haben in diesem Gebäude Spuren hinterlassen.
 
Museum St. AntonBegründer und Bau der Villa

Der Bau der sogenannten „Trier-Villa“ geht auf Bernhard Trier zurück, den Spross einer aus Darmstadt und Frankfurt stammenden jüdischen Industriellenfamilie. Seine Mutter war die aus einer Hohenemser Familie stammende Isabella Brunner. Dieser Umstand führte den jungen Mann um 1900 in die österreichischen Alpen, er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts Mitglied im Hohenemser Bezirk des Alpenvereins. In jenen Jahren konnte er mehrere Erstbesteigungen für sich verbuchen. Wie Rudolf Gomperz wandte sich Trier in weiterer Folge verstärkt dem Skilauf zu. 1912 beauftragte er den aus Bruck an der Mur stammenden Architekten Hanns Kornberger, der sich in Hohenems niedergelassen hatte, mit dem Bau einer Villa samt Portierhaus in St. Anton am Arlberg. Der Architekturkritiker Friedrich Achleitner bezeichnete diese später als „süddeutschen Import von Heimatstil erster Güte“. Die handwerkliche Umsetzung sowie die Ausstattung der Zimmer mit unterschiedlichen Stilrichtungen und die prächtige Treppe mit der Galerie sind von herausragender Qualität.

 
Hannes SchneiderPionierzeit des Skisports

Durch den Alpinismus angeregt, wandte sich Bernhard Trier dem Skisport zu und wurde Mitglied des Skiclubs Arlberg. Als solcher war er neben Carl Schuler und Rudolf Gomperz einer der frühen Förderer des jungen Skilehrers Hannes Schneider. Dieser hatte im Dezember 1907 im Auftrag des Skiclubs Arlberg seine Tätigkeit beim Hotel Post begonnen. Schneider entwickelte in den folgenden Jahren eine Skitechnik, die sich in den 1920-er und 1930-er Jahren als bahnbrechender Erfolg erweisen sollte. Bernhard Trier, der 1910 zum Präsidenten des Skiclubs Arlberg gewählt worden war und als einer der ersten Hilfsskilehrer Schneiders fungierte, konnte sich an seiner Villa jedoch nicht allzu lange erfreuen. Im September 1915 fand er als Artillerei-Beobachter an der russischen Front den Soldatentod.

 
Hannes SchneiderZwischenkriegszeit

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs heiratete die Witwe Paula Trier den Skilehrer Oswald Schweiger. Nunmehr wurden auch Fremdenzimmer in der Villa Trier vermietet. Nachdem das Ehepaar Schweiger St. Anton verließ, geriet das Anwesen in den Besitz der Familie Gänslein. Diese wiederum verkaufte es an den bulgarischen Industriellen Basil Koutzouglou. Sein Name hat sich bis heute gehalten: „Beim Koutzouglou“ ist in St. Anton immer noch eine gängige Bezeichnung für die Villa.

Französisches Hochkommissariat

In den ersten Maitagen des Jahres 1945 rückten französische Besatzungssoldaten in St. Anton am Arlberg ein. Mit den amerikanischen Truppen hatten sie sich einen Wettlauf geliefert, wobei die Demarkationslinie bei Pettneu festgelegt wurde. Später bezogen nach der Aufteilung Österreichs durch die Siegermächte die französischen Soldaten Innsbruck. Ihr Oberbefehlshaber, General Marie Émile Antoine Béthouart, späterer französischer Hochkommissar in Österreich, wählte sich die Villa Trier als seine Residenz aus, da er gerne Zeit am Arlberg verbrachte. An die Bewachung durch französische und marokkanische Soldaten erinnern sich ältere St. Antonerinnen und St. Antoner bis heute

 
Marie Émile Antoine BéthouartDer Zahn der Zeit

Basil Koutzouglou übernahm nach dem Ende der Besatzungszeit seinen Besitz in St. Anton von neuem. Nach dem tragischen Tod eines Angestellten verlor er jedoch zunehmend die Freude an seiner Villa und versuchte, diese zu verkaufen. In den 1970-er Jahren wurden Pläne publik, wonach das Anwesen durch einen internationalen Konzern in einen Hotelkomplex umgewandelt werden sollte. Daraufhin erwarben die Gemeinde und der Tourismusverband die Villa und die Parkanlage und bewahrten diese somit für die Nachwelt.

 
Museum St. AntonSki- und Heimatmuseum

Zunächst wurde 1978 der zugehörige Park revitalisiert und in einen Ferienpark umgewandelt. Drei Jahre später wurde in den Räumlichkeiten der Villa Trier das Ski- und Heimatmuseum eingerichtet. Im oberen Stockwerk befindet sich die Dauerstellung zur Geschichte St. Antons, die 2008 komplett neu gestaltet wurde. Im Erdgeschoss lädt das Restaurant mit der Kaminstube, dem Raucherzimmer, der Jagdstube und der Bibliothek zum Verweilen ein.